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70 Jahresfeier 

Rückblick auf 60 Jahre Eissport in Weißwasser mit wesentlichen Erfolgen, aber auch Rückschlägen
 Zeitungsartikel
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands kamen erstmals die Eishockeyschiedsrichter aus Nordrhein-Westfalen und Bayern nach Weißwasser. Wir mussten damals als neue „Fremdsprache Bayrisch" verstehen lernen. Meine Frau und ich hörten immer wieder das Erstaunen darüber, dass nach der Holperpiste mit Grabenbrüchen Dresden - Bautzen (entsprechend der blauen Schilder als Autobahn ausgewiesen), der kilometerlangen Fahrt durch Wälder und an Feldern vorbei die Eishockeyhochburg Weißwasser zu erreichen ist. Dabei fragten sie sich (und uns), wie diese Sportart nach Weißwasser kam und hier derartig viele erfolgreiche Mannschaften spielen können? Wie entstand und entwickelte sich hinter Heide und Sand in der Oberlausitz die FASZINATION EISHOCKEY, die ja mittlerweile große Teile der östlichen Region Sachsens erfasst.

Junge Männer saßen vor 70 Jahren nicht am Radio, vorm Fernseher oder Computer, sondern spielten in ihrer Freizeit vor allem Fußball. Im Winter verlegte man das Spiel auf die Teiche, besonders den Braunsteich, allerdings mit Schlittschuhen zum Anschnallen, Holzknüppeln und Holzscheibe. Fast alle kamen aus der Gegend des Osram- Werkes, heute Telux Spezialglas GmbH. Zur Anzahl der Blessuren wegen fehlender Ausrüstung und zerbrochenen sog. Schlägern gibt es leider keine Angaben. Ist der gemeinsame Kinobesuch im „Gloria-Palast" Weißwasser Legende oder Tatsache? Vom Filmbeitrag über den damaligen Eishockeymeister „Berliner Schlittschuhclub" waren die „Hobby-Spieler" so begeistert, dass am 15. Dezember 1932 im Keglerheim der Verein „Eishockey Weißwasser" gegründet wurde. Hieran erkennt man, dass die Medien nicht erst gegenwärtig Menschen in Bewegung bringen. Jedenfalls sparten die jungen Männer vom kärglichen Arbeitslohn im Verlaufe von vier Jahren die erforderliche Eishockeyausrüstung zusammen. Sponsoren waren bestenfalls die Eltern. Als Besonderheit für damalige Verhältnisse kann die Beteiligung vieler Arbeitersportler an der finanziell aufwändigen Sportart genannt werden.

Zur Durchführung von Wettkämpfen wurde eine niedrige Spielfeldbegrenzung von ca. 30 cm Höhe zusammengebaut, damit die Pucks auf der Eisfläche nicht am entgegengesetzten Ufer landeten. Die Beine und darüber liegende Körperteile der Zuschauer unmittelbar hinter der Bande waren trotzdem gefährdet. So konnten Martin Schulz, Helmut Bertko, Fritz Dutschke, Gerhard Röhler, Siegfried Rohrbach und später auch Günter Lehnigk effektiver trainieren. Am 6. Dezember 1933 wurde die Eishockeytruppe in den Turn- und Sportverein aufgenommen. Bisher drei erfolgreiche

Traditionstreffen ehemaliger Eishockeyspieler und ihrer Ehefrauen im Waldhaus, organisiert von Herrn Hirche, und die heutige Festveranstaltung erinnern an das denkwürdige Datum. Den ersten offiziellen Wettkampf in der noch jungen Geschichte gewannen die Grün-Weißen am 17. Dezember 1933 mit 5:0 gegen die Skizunft in Spremberg. Damals gab es also noch Frost vor Weihnachten und Auswärtssiege. Der nächste Gegner aus Görlitz erwies sich als stärker und besiegte Weißwasser auf dem Eis des Braunsteiches mit 5:0. Es existierten also verschiedene Eishockeyvereine in der Lausitz, aber nur einer wurde zur Hochburg dieses faszinierenden Sportes. Weitere Spiele, u.a. gegen Berlin-Oberschöneweide sahen teilweise über 1000 Zuschauer. (Die Berliner zählten offensichtlich damals schon zu unseren Lieblingsgegnern.) 1936 beteiligte sich der TSV Weißwasser an der Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft in Nürnberg. Ein Jahr später schlug die erste große Stunde für die Weißwasseraner, sie wurden Schlesischer Meister nach einem 2:1 Sieg über den EV Hindenburg (heute Zabrze). Der Pokal steht heute noch im Traditionszimmer. Die Klubs aus Berlin und Nürnberg konnten allerdings noch nicht bezwungen werden. Die Eishockeybegeisterung war derartig groß, dass sich die Kufenflitzer Lehrgänge mit einem schwedischen und auch kanadischem Trainer (1938) leisteten. Die Eishockeyenthusiasten aus der Lausitzer Kleinstadt wurden so bekannt, dass der legendäre BSC (Berliner Schlittschuhclub) zu einem Freundschaftsspiel auf dem Braunsteich anreiste. Das Spiel konnte von den Lausitzem lange annähernd ausgeglichen gestaltet werden. Doch plötzlich setzte Tauwetter ein, das Eis unter Günter Lehnigk gab nach und er stand im Wasser. Entweder hatte er zu schmale Kufen, oder er war zu kräftig gebaut. Leider unterbrach der Krieg die weitere Entwicklung des Eissports. Einige Eishockeyspieler mussten dabei auch ihr Leben lassen. Nach dem Ende des Grauens kehrten Viele der ehemaligen Soldaten und Vertriebenen nach dem Sommer wieder in ihre Heimat zurück. Als sich Helmut Bertko, Wolfgang Blümel, Fritz Dutschke, Günter Lehnigk, Paul und Siegfried Mann, Siegfried Rohrbach, Kurt Stürmer und Herbert Tschätsch nach langer Zeit trafen, ergriff sie wieder die Faszination dieser schnellen Sportart. Günter Lehnigk erwies sich als guter Organisator und so kam es schon bald zum erneuten Eishockeyauftakt am Braunsteich. Bei der ersten Wettkampfreise im kalten Winter 1947 führ die Mannschaft bei -18° C im offenen LKW nach Bautzen. Verpflegung musste jeder selbst mitbringen - Kartoffeln, Rüben u.a. - das „Eisbein" gab es kostenlos auf der Fahrt in Form kalter Füße dazu. Als Gegner stand der Chemnitzer Rollschuh-Club auf dem Eis. Trotz oder wegen der Kälte spielten die Lausitzer groß auf und gewannen das erste Spiel mit 14:1, das Rückspiel am nächsten Tag mit 11:0. Weitere fünf Spiele gegen Mannschaften aus Berlin und Dresden konnten siegreich beendet werden. Dabei musste neben dem Spiel oder Training auch schwere körperliche Arbeit verrichtet werden. War das Eis an einer Stelle des Teiches abgenutzt, verschob man das gesamte Spielfeld . Eine Eiserneuerung war nicht möglich. Wegen ungünstiger Eisentwicklung transportierten die Spieler die Bande, die Tore und weitere Ausrüstung zwischen den Teichen hin und her. Es wurde neben dem Braunsteich auch auf dem Jahn- und Totenteich gespielt.

Die Eishockeyspieler schlössen sich 1948 an die Betriebssportgemeinschaft des damaligen Spezialglaswerkes „Einheit" an und nannten sich BSG „Kristall". Die meisten von ihnen waren auch Glasmacher oder in der Glasindustrie beschäftigt. Damit wurden die materiellen Voraussetzungen für die Spieler günstiger, sie erhielten Ausrüstungsgegenstände über die BSG. 1949/50 nahmen die Eishockeyspieler von „Kristall" erstmalig an der Meisterschaft in Ostdeutschland teil. Auf Anhieb belegten sie einen 3. Platz. Im gleichen Zeitraum stellte die Stadt Weißwasser der Sportgemeinschaft zwischen der Teichstraße und dem Jahnteich Grund und Boden unentgeltlich zur Verfügung. Dort entstand bis 1950 das Jahnstadion als Natureis-Freiluftstadion mit Klubhaus und Umkleidekabinen über einem ehemaligen Braunkohle-Grubenloch. Im Eröffnungsspiel war die SG Frankenhausen bei Crimmitschau der Gegner. 6000 Zuschauer sahen ein für die Sportart sehr seltenes 0:0. Zuschauer ohne Eintrittskarten hangelten sich auf die umliegenden Bäume. Einen Sicherheitsdienst gab es damals noch nicht. Die Zuschauer standen dicht an der Bande. Dies sorgte für zusätzliche Stimmung bei den spannenden Wettkämpfen. Das Eis über dem Grubenloch war sehr dunkel. Besonders nach Regen war deshalb der Puck weder von den Aktiven noch von den Zuschauern gut zu beobachten. In einen Behälter mit weißer Farbe wurden die Pucks getaucht. Allerdings hielt der Farbüberzug immer nur kurzzeitig. Wegen der unzuverlässigen Eisverhältnisse, auch in der oft kalten Lausitz, fanden viele Meisterschaftsspiele in Berlin statt. Hier stand das Kunsteis der neuerbauten Werner- Seelenbinder-Halle zur Verfügung. In einem packenden Endspiel siegte die SG „Kristall" Weißwasser mit 4:3 über die SG Frankenhausen und holte sich damit den ersten Meistertitel einer legendären Serie. Als die Mannschaft mit dem Eilzug in den Bahnhof Weißwasser einfuhr, bereiteten Hunderte Einwohner einen überwältigenden Empfang. Im Triumphzug wurden die erstmaligen DDR-Meister, nunmehr Spieler von „Ostglas" Weißwasser, Hans Mack, Klaus Radtke (Torhüter), Siegfried Mann, Günther Schischefski, Willi Herrmann, Heinz Lachmann (Verteidiger) und den Stürmern Paul Mann, Kurt Stürmer, Wolfgang Blümel, Herbert Schindler, Wolfgang Nickel und Herbert Tschätsch mit ihrem Trainer Günther Lehnigk durch die Straßen Weißwassers geleitet. Günther Schischewski war der einzige Spielerimport. Er begann in Oberschlesien mit Eishockey, und kam über Meißen (Fußball) in unsere Stadt. Die Namensänderung 1952 zu Chemie Weißwasser verwirrte bestenfalls die Gegner, denn unsere Mannschaft holte sich den zweiten Meistertitel. Frankenhausen wurde sogar zweistellig besiegt. Auch unter dem neuen Namen „Dynamo Weißwasser" holten sich die Lausitzer den vierten Meistertitel. Von zehn Meisterschaftsspielen verlor unser Verein nur eines - natürlich gegen Frankenhausen.

Die Eishockeyspieler machten die kleine Stadt der Lausitz im In- und Ausland bekannt. So waren in den Folgejahren namhafte Mannschaften aus Tschechien/Slowakei, wie Prag, Brünn (Bmo), Pilsen (Plzen), aus Schweden beispielsweise Stockholm, Malmö, Göteborg, aus Ungarn, Polen, Italien, der Sowjetunion und Finnland zu Gast. Noch in der Saison 1953/54, offensichtlich die Lehrjahre für unseren Verein auf dem internationalen Parkett, wurden alle vier Spiele verloren. Von 51 internationalen Begegnungen in den Jahren 1955 bis 1959 auf dem Natureis im Jahnstadion konnten 32 siegreich und drei unentschieden gestaltet werden. Nur in zwölf Spielen wurde verloren. In diesem Zeitraum spielte auch „Hanne" Frenzel bei Dynamo Weißwasser. Offensichtlich deshalb kehrt er gern an seine alte Wirkungsstätte zurück. Grundlage für die Erfolge waren die Spielerpersönlichkeiten und das notwendige Training. Ohne Temperaturen unter dem Gefrierpunkt stand in Weißwasser kein Eis zur Verfügung. Also musste die Mannschaft oft wochenlang nach Berlin umziehen. Den Ehefrauen, Verlobten und Freundinnen der Spieler sei heute noch einmal gedankt, dass sie oft so lange auf ihre Männer verzichteten.

1958 konnte in Bozen/Italien der Pavoni-Cup gewonnen werden. Mit einer Einladung aus Le Chaux de Fonds (Schweiz) hatte Dynamo Weißwasser auch ehemalige kanadische Profis als Gegner. Gegen eine Klubmannschaft aus Kanadiern, Schweizer und Franzosen wurde zur Überraschung der Insider in der Verlängerung der Pokalsieg errungen. Turniersieger wurden Kurt Stürmer, Joachim Franke, Günther Schischefski, Dieter Greiner, Peter Lehnigk, Hans-Jürgen Johne, Erich Novy, Wolfgang Blümel, Werner Engelmann, Horst Heinze, Heinz Lachmann, Heinz Kuczera, Manfred Buder, Horst Hilbig, Klaus Hirche, sowie Trainer Günter Lehnigk und Masseur Kurt Pfennig. In dieser Zeit wurden die Torwartschläger noch mit 17 Arbeitsgängen beim Stellmacher Saschowa in Weißwassergefertigt. Nach Verbesserungsvorschlägen durch die Torwarte Hans Mack und Klaus Hirche wurden die Schläger auch nationalmannschaftstauglich.

Nach diesen internationalen Erfolgen und dem 9. Meistertitel in Folge entsprach das Natureis des Jahnstadions nicht mehr den Erfordernissen der erfolgreichen Mannschaft unseres Vereins. Oft mussten die unsere Spieler bei der Herrichtung der Spielfläche in den Drittelpausen helfen, während sich die Gegner ausruhen konnten. Der Bau eines Kunsteisstadions wurde notwendig. Grundsteinlegung für den Neubau war am 16. April 1958 neben dem damaligen Paul-Klinke-Sportplatz. Auf dem sandigen Waldgelände mussten die Böschungen, sowie Auf- und Durchgänge errichtet werden. Es wurden Traversen für ca. 9000 Stehplätze gebaut. Das Hauptgebäude mit Sitzplätzen, Trainings-, Umkleide- und Verwaltungsräumen entstand. Mit staatlicher Finanzierung, Geldern aus Lotto-Mitteln und mehr als 44 000 Aufbaustunden Weißwasseraner Eishockeyanhänger wurde das Wilhelm-Pieck-Kunsteisstadion gebaut.

Am 7. November 1959 erfolgte die Einweihung des neuen Stadions mit einem Freundschaftsspiel zwischen Dynamo Weißwasser und Legia Warschau. 7000 Zuschauer sahen je vier Tore jeder Mannschaft. Kurz danach wurde das erste Turnier um den Glasmacherpokal, ein großes Ereignis für die noch kleine Stadt durchgeführt. Teilnehmer waren die Mannschaften von Roter Stern Brno, Nowosibirsk und ZSK MO Moskau. Gleich im ersten Spiel sahen Tausende Zuschauer einen 8:1 Erfolg „ihrer Dynamos" über die Mannschaft aus Sibirien. Im gleichen Jahr wurden die Männer unseres Vereins zum zehnten Male DDR-Meister. Die Spieler aus Weißwasser waren in dieser Zeit auch eine wesentliche Stütze der Nationalmannschaft. Dazu gehörten Klaus Hirche, Manfred Buder, Erich Novy, Heinz Kuczera, Joachim Franke, Günther Schischefski, Kurt Stürmer, Horst Heinze, Wolfgang Blümel, Rainer Tudyka, Heinz Schildan, Wolfgang NickeL Bei der Weltmeisterschaft 1961 in Lausanne und Genf besiegte die DDR-Mannschaft die USA, Olympiasieger von 1960, mit 6:5. Den entscheidenden Treffer erzielte Joachim Franke. Eine Sensation war perfekt! Unsere Auswahlmannschaft wurde WM-Fünfter. Im neuen Dresdner Kunsteisstadion sahen meine Frau und ich 1962 erstmals ein Spiel der Eishockey-Nationalmannschaft. Gegner war die Sowjetunion. Leider konnten wir kein Tor bejubeln, aber die Garnisonssoldäten der Roten Armee neben uns brüllten zehnmal berechtigt „Scheibu, Scheibu"! d.h. Tor zur Aufbesserung der Russisch-Kenntnisse. 1965 erkämpften die Eishockeyspieler den 15. Meistertitel für die Glasmacherstadt. Diese Trophäe holten Manfred Buder (Kapitän), Klaus Hirche, Joachim Franke, Heinz Kuczera, Rainer Tudyka, Erich und Helmut Novy, Bernd Poindl, Rüdiger Noack, Wilfried Sock, Heinz Schildan, Ullrich Noack, Dieter Rohrbach, „Heinz" Leitko, Horst Heinze, Werner Engelmann, Werner Domke, Jürgen Kraske, Manfred Krause und Jochen Koch unter dem Trainer Wolfgang Blümel nach Weißwasser. Auch die Nationalmannschaft spielte bei der WM in Tampere (Finnland) recht erfolgreich. Fünf Sekunden standen beim Spiel gegen Finnland für den entscheidenden Treffer bei einem Bully vor dem finnischen Tor noch zur Verfügung. Erich Novy gewann die Scheibe und Joachim Ziesche hämmerte den Puck ins finnische Tor. Die DDR wurde wiederum WM-Fünfter. Eissport in Weißwasser hieß damals nicht nur Eishockey, es gab auch eine Sektion Eiskunstlauf. In der Zeit von 1959 - 1969 trainierten etwas mehr als 20 Mädchen und Jungen auf dem Eis und im Ballettsaal in Weißwasser, manchmal auch in Berlin. Sie absolvierten erfolgreich Wettkämpfe, unterhielten aber auch die Zuschauer in den Drittelpausen. Bekannt sind vielleicht noch Gloria Schäfer (Schulz), Christa Rothenburger (Luding) und Christina Oelmann (Piche).

Regelrechte Eishockeyfeste fanden statt, wenn gegen kanadische Mannschaften gespielt wurde. Woraus entstand das Interesse? Jedenfalls war das Eisstadion jedesmal bis auf den letzten Platz gefüllt. Umfallen konnte kaum ein Zuschauer, denn es sollen bis zu 16000 Eishockey-Fans anwesend gewesen sein. Beeindruckend war dabei im weiten Rund des Freiluftstadions die Vielzahl der brennenden Feuerzeuge, Streichhölzer, Kerzen u.a. wenn die Spielfeldbeleuchtung ausgeschalten wurde.

In der Saison 1965/66 wurde die einmalige Meisterschaftsserie Weißwassers ausgerechnet im eigenen Kunsteisstadion unterbrochen. Der SC Dynamo Berlin, inzwischen härtester Konkurrent der Lausitzer, siegte im entscheidenden Spiel 2:1. Die Enttäuschung bei Spielern und Zuschauern war riesengroß, es gab nicht wenige mit feuchten Augen. Der Aktuellen Kamera war dieses Ereignis wert, die laufende Sendung mit Live-Bildern aus Weißwasser zu unterbrechen, um die jubelnden Spieler aus Berlin zu zeigen.

Bei der folgenden Weltmeisterschaft in LjubIjana/Slowenien gelang der DDR-Mannschaft ein weiterer Paukenschlag. Die Eishockeynation Schweden musste eine l :4 Niederlage hinnehmen. In, der Wertung der europäischen Mannschaft hätte die DDR-Mannschaft Bronze erhalten müssen. Das war damals laut Reglement nicht möglich. Erst 33 Jahre später wird den Spielern eine Medaille als Europameisterschaftsdritter überreicht. Mit Bronze wurden Manfred Buder, Joachim Franke, Klaus Hirche, Rüdiger Noack, Erich und Helmut Novy, Bernd Poindl, Heinz Schildan und Rainer Tudyka. Auch in den folgenden zwei Jahren konnten sich die Berliner Dynamos mit ihrem technisch gefälligerem Spiel bei den Landesmeisterschaften durchsetzen. , Bei den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble konnte eine DBipl-^annschaft teilnehmen. Das war natürlich ein Höhepunkt auch für Sportler aus Weißwasser. Für unseren Verein begann eine Umformierung der Oberligamannschaft. Junge Spieler wurden eisbezogen. Als neuer Traimer stand Joachim Franke zur Verfügung. In den Jahren 1969 und 1970 wurden die Titel 16 und 17 nach Weißwasser geholt. Es waren gestandene und neue Spieler daran beteiligt. An der 17. Meisterschaft waren mit dem Kapitän Manfred Buder die Torwarte Klaus Hirche, Wolfgang Fischer, Roland Herzig, die Verteidiger Wilfried Sock, Helmut Novy, Hartwig Schur, Ralf Thomas, Bernd Engelmann, Ullrich Noack, Heinz Fabian und die Stürmer Rüdiger Noack, Peter Slapke, Rainer Tudyka, RolfBielas, Werner Domke, Rainer Mann, Wolfgang Mucha, Peter Domko, Dieter Huschto und Manfred Sekul beteiligt. 1969 Kam Jürgen Franke auf eigenen Wunsch von Schönheide als Jugendlicher nach Weißwasser. Infolge des Kraftwerkbaus in Boxberg und der Erschließung von Kohlegruben in der engeren und weiteren Umgebung Weißwassers entwickelte sich diese Stadt in den folgenden zwei Jahrzehnten zu einer Mittelstadt mit über 30 000 Einwohnern. Auf alle Fälle haben die meisten der anwesenden Gäste bewusst die Geschehnisse um den Eishockeysport in dieser Zeit in Weißwasser miterlebt. Deshalb möchte ich diesen Zeitraum etwas kürzer fassen als die ersten Jahre.

Die Sportführung des DTSB traf 1969/70 unerwartete Entscheidungen zu Sportarten, für die kaum Medaillenchancen bei internationalen Meisterschaften bestanden. Besonders für Mannschaftssportarten wurde die Förderung eingestellt, so auch für Eishockey. Nur der Fußball- und Eishockeyfan Erich Mielke verhinderte für die beiden Dynamomannschaften das Aus nach dem Motto: Ich liebe euch doch alle, am meisten Berlin. Also konnten die Schläger in Weißwasser und Berlin auch weiterhin gekreuzt werden. Talentierte Eishockeyspieler aus den ehemaligen Leistungszentren Crimmitschau, Dresden, Erfurt, TSC Berlin und Rostock wurden auf die beiden verbliebenen Mannschaften aufgeteilt. So kamen Frank Braun, Frank Melzer, Reinhard Karger, Knut- Michael Meisel u.a. zur Verstärkung in die Lausitz. Unsere Mannschaft konnte die nächsten Meisterschaften bis zur Saison 1974/75 in der Miniliga siegreich gestalten. Der SC Dynamo Berlin wurde zum Trost der damals Gewaltigen in Berlin immer Vizemeister! Zur Verbesserung der Trainingsbedingungen für unseren Verein wurde 1970 mit dem Bau einer Eishalle begonnen. Nach dem bedauerlichen Eishockeybeschluss wurde festgelegt, dass statt der Ränge für 3000 Zuschauer eine Eisschnelllaufbahn um die Spielfläche herumgebaut wird. Hans Marko, für viele Jahre technischer Leiter, wahrte für den Verein die Interessen beim Bau. 1974 wurde die erste Schnelllaufbahn unter einem Hallendach in Europa fertiggestellt. Weiterhin erhielt der Eissportkomplex am Wilhelm-Pieck- Kunsteisstadion ein Internat mit medizinisch-therapeutischen Räumen.

Eisschnelllauf- Herr Werlich

Bald nach der Reduzierung der Eishockeymannschaften entstand in Weißwasser eine Sektion Eisschnelllauf mit Jochen Philipp, Roland Schulze und Alfred Kraus an der Spitze. Viele Kinder haben beim Landtraining und auf dem Eis Freude an der sportlichen Betätigung gefunden. Erfolgreich verliefen we^e Spartakiaden und Sichtungswettkämpfe für unsere Sportler. Aus den vielen Trainingsgruppen wurden dann die Besten nach Berlin, Dresden oder Erfurt delegiert und lagen bei nationalen und internationalen Meisterschaften mit vorn. Herausragendes Beispiel dafür ist Christo Luding, in Weißwasser unter Rothenburger bekannt.

An dieser Stelle soll noch etwas zur Nachwuchsarbeit gesagt werden. Die Begeisterung der Jungen für Eishockey war u.a. wegen der Erfolge riesengroß. Viele kamen zum Training der Laufgruppen, noch mehr spielten auf den Plätzen und Straßen mit Schläger und Puck. Unser Familienbesuch stellte fest: „Das gibt es sonst nirgendwo. Kein Wunder, dass ihr eine Spitzenmannschaft habt." Natürlich steckt dahinter die mühevolle Kleinarbeit vieler ehemaliger Spieler, wie Paul und Siegfried Mann, Jürgen Johne, Kurt Stürmer, Wolfgang Blümel, Heinz Kuczera, Manfred Buder, Werner und Bernd Engelmann, Werner Domke, Hartwig Schur, Rainer Mann, Uwe Hoffinann, Andreas Heinrich (Nichtgenannte bitte ich, mir zu verzeihen) und ehrenamtlicher Übungsleiter. Nach der Beschränkung der Leistungszentren auf Weißwasser und Berlin wurden zur Entwicklung zukünftiger Spielerpersönlichkeiten Wettkampfreisen besonders in die CSSR und nach Polen unternommen. Beeindruckend waren die Turniere in Prag mit mehr als 12 Mannschaften, aber auch in Plzen, Gottwaldov, Pardubice und Katowice gab es bei den Turnieren stets packende Wettkämpfe. Für die Nachwuchsmannschaften unseres Vereins langte es überwiegend zu vorderen und mittleren Plätzen. Besonders die tschechischen Vereine konnten wegen der vielen Kunsteisflächen leistungsstarke Mannschaften aufbieten.

Das Stillsitzen auf den langen Busfahrten fiel den Spielern oft nicht leicht. Auf der Rückfahrt vom ersten Turnier in Pardubice gab es keine Probleme. Alle Spieler erhielten als Geschenk ein Pfefferkuchenhaus. Das hielten sie auf den Oberschenkeln im engen Bus fest. Und wehe, da hätte einer getobt und dabei vielleicht ein Pfefferkuchenhaus eines Mitspielers zerbrochen!

1972 fand die letzte zentrale Kinder- und Jugendspartakiade im heutigen Chemnitz statt. Neben wenigen Eishockeyspielen fanden viele Wettbewerbe im Eiskunst- und Eisschnelllaufstatt. Letztere natürlich in der großen Halle! Leider waren dort nur wenige Spartakiadeteilnehmer als Zuschauer, denn die zog es in die Trainingshalle zum Eishockey. DTSB-Präsident Manfred Ewald war davon nicht begeistert. Wurden deshalb die Eishockeyspiele aus dem Programm gestrichen? Leider gaben viele veranlagte Jugendspieler in der Zeit nach 1970 das fast tägliche Eishockeytraining auf, weil sie für sich in der Männermannschaft keine Perspektive sahen. Unsere Spielerdecke war teilweise so dünn, dass sogar Wilfried Sock, Peter Domko und Wolfgang Mucha wieder reaktiviert wurden. Der SC Dynamo Berlin hatte Vorteile, denn fast alle seiner Spieler besuchten die Sportschule, hatten täglich zweimal Training und konnten somit besser ausgebildet werden. In Weißwasser konnte nur der Weg über die Konzentration der Spieler an eine Schule gegangen werden, eine Sportschule wurde nicht zugelassen.

Zum Verein gehören auch die sog. Altinternationalen. Für sie ist Wilfried Sock ein rühriger Organisator. Neben nationalen Freundschaftsvergleichen im Fußball und Eishockey wurden auch Eishockeyspiele in den USA, Kanada, Australien und Südafrika ausgetragen. Letztere natürlich erst nach der Wende.

Der 6. Februar 1981 wurde für unseren Verein wieder zu einer Sternstunde. Das letzte Meisterschaftsspiel dieser Saison sollte in Weißwasser stattfinden. Obwohl der SC Dynamo Berlin das Spiel vorher mit 10:1 gewann, strömten zwischen 10000 und 11000 Zuschauer in das Eisstadion Weißwassers. Es waren auch viele Berliner Gäste darunter. Dem kämpferischen Aufbegehren der Uwe Hoffmann, Bernd Holler, Detlev Mark, Andreas Heinrich, Frank Braun, Peter Schumann, Henry Balzer, Gerd Vogel, Olaf Köllner, Hans-Ullrich Winkler, Rolf Bielas, Eckhard Scholz, Jürgen Franke, Peter Franke, Fred Bartell, Hubert Hahn, Jochen Hördler, Dieter Simon, Harald Bölke, Dieter Kinzel und Frank Däsler konnten die Berliner nach Aussage ihres Trainers lange nichts gleichwertiges entgegensetzen. Trotz des 0:1 Rückstandes ging Weißwasser mit 5:2 in Führung. Uwe Hoffmann war mit seinen Paraden im Tor der notwendige Rückhalt. 10 Minuten vor Spielende startete der SC Dynamo eine Aufholjagd. Aber Weißwasser gewann mit 6:4 und wurde zum 23. Male DDR-Meister. Meistermacher waren Rüdiger Noack und Heinz Kuczera, die nach Joachim Franke, Jürgen Johne und Klaus Hirche das Traineramt übernahmen. Die stimmgewaltigen Lausitzer Eishockeyanhänger trieben ihre Mannschaft immer wieder nach vom, feierte sie nach dem Spiel mit lange nicht erlebter Begeisterung. Im gleichen Jahr kamen sämtliche Nachwuchsmannschaften unseres Vereins zu Meisterehren.

Mit der Durchführung der „Jugendwettkämpfe der Freundschaft" gelang es unserem Verein im November 1986 einen weiteren Eishockeyhöhepunkt in unserer Stadt zu schaffen. Die DDR-Jugendauswahl belegte hinter der CSSR, SU, Polen den vierten Platz. Bekanntester Spieler aller Mannschaften wurde wohl Pavel Bure. In den Folgejahren ließen sich die Hauptstädter den Meistertitel nicht mehr aus der Hand nehmen. Bis zur Saison 1987/88 dominierten sie bei den entscheidenden Spielen. Im Nachwuchs hatte aber meist unser Verein das bessere Ende für sich, ein Beweis für die zuverlässige Arbeit der verantwortlichen Trainer. In Weißwasser übernahm Rüdiger Noack die Leitung des Vereins von Willi Hermann, Chef- bzw. Oberligatrainer wurden Heinz Kuczera und Peter Slapke.

Die Saison 1988/89 wurde wieder durch Dynamo Weißwasser geprägt. Die damaligen Trainer Roland Herzig und Rolf Bielas konnten eine Reihe junger talentierter Spieler in die Männermannschaft integrieren. Bei der 19. Minimeisterschaft sahen 12500 Zuschauer das entscheidende Spiel. Dieser Zuschauerrekord bei nationalen Spielen zeigte das gewachsene Interesse an unserer schönen Sportart. In diesem Jahr gelang unserem Verein das Doppel - Meister und DELV-Pokalsieger. Die folgende Saison war erheblich durch die Unruhe und die unklaren Perspektiven der Wendezeit geprägt. Der Meistertitel wurde in zwei Runden im System „best of five" ausgespielt. In jeder Runde waren nur drei Spiele notwendig, Weißwasser gewann alles! Am 20. Februar 1990 wurden Andreas Ludwig (Kapitän), Thomas Bresagk, Ingolf Spantig, Andre Engmann, Jochen Hördler, Michael Bresagk, Tom Göbel, Henry Balzer, Gerd Vogel, Olf Engelmann, Torsten Hanusch, Frank Liebert, Jan Schinköthe, Ralf Hantschke, Andreas Gebauer, Hubert Hahn, Harald Bölke, Henry Domke, Torsten Eisebitt, Steffen Thau, Jörg Handrick, Jens Feller, Frank Peschke, Peter Franke, Falk Ozellis und Ron Noack die letztmalig die DDR-Meisterschaft. Es war für unseren Verein gleichzeitig der 25. Meistertitel bei den Männern. Der Pokalsieg ging ebenfalls nach Weißwasser.

Im Verlaufe von sechs Jahrzehnten wurde unser Verein zu einer Topadresse in der Eishockeylandschaft Deutschlands. Der Enthusiasmus der Vereinsgründer, das Können und der kämpferische Einsatz der Spieler und der faszinierende Eishockeysport bewirkten, dass oft Tausende Eishockeyanhänger aus Weißwasser, der Umgebung, ja weiter Teile der Lausitz zum 7. Spieler für unsere Mannschaften auf dem Eis wurden. 26 Jahre dieser Zeit konnte ich unmittelbar erleben und als Übungsleiter im Nachwuchs einen kleinen Beitrag zu den Erfolgen leisten.

Seit einiger Zeit gibt es für unseren Sport andere Bedingungen. So wie ich hoffen Hunderte Fans des Lausitzer Eishockeys, dass in der Hochburg Weißwasser noch viele Jahre Eishockey in den obersten Spielklassen erhalten werden kann. Dafür sollten alle Kräfte gebündelt und die Verantwortlichen so gut wie möglich unterstützt werden.

Für die Unterstützung bei der Sammlung von Fakten möchte ich mich bei den Herren Klaus Hirche, Heinz Kuczera, Siegfried Mann, Wilfried Sock und Dr. Klaus Dietze recht herzlich bedanken.

Autor: Klaus Riehle (langjähriger Übungsleiter, Stadionsprecher und Kampfrichter beim Eissport Weißwasser)

Rede bei der 70-Jahrfeier am 6.12.2002

 letzte Änderung: 18.12.2008 12:07 Uhr Facebook Twitter zum Seitenanfang


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